Presseerklärung Abbau von Feiertagen – „Eine weitere Kuh wird durchs Dorf getrieben!“ Wir sind vor keiner Überraschung mehr sicher. In Panik werden von verschiedenen Ministern Versuchsballons steigen gelassen, um Aktion zu zeigen und Reformwillen zu bekunden. Zuletzt versuchte der Bundeswirtschafts- und –sozialminister eine vermeintlich unternehmensfreundliche „Reform“ zur Diskussion zu stellen: Wachstumsschaffung durch Abbau von Feiertagen. Es ist richtig, Deutschland hatte im Jahre 2002 13 Feiertage, die nicht auf ein Wochenende fielen. Damit befinden wir uns in guter Gesellschaft mit Spanien und Portugal (sie haben einen Feiertag mehr) und Japan. Die USA, Belgien, Italien, Frankreich, Schweden, Österreich haben 11 Feiertage und Luxemburg, Finnland, Norwegen haben immerhin noch 10 Feiertage. In Deutschland würde ein zusätzlicher Arbeitstag 280 Millionen Stunden zusammenbringen und damit das BIP um 0,25% erhöhen. Da im Jahr 2004 fünf Feiertage auf ein Wochenende fallen, wird mit einem zusätzlichen Wachstum von 1,3% gerechnet. So weit die rein buchhalterische Rechnung, die nichts mit makroökonomischen Zusammenhängen gemein hat. Die Realität sieht anders aus: die jährliche Arbeitszeit schrumpfte von 2.162 Stunden im Jahre 1960 auf nun 1.444 Stunden. Dies ist einer zunehmenden Produktivität geschuldet, welche die menschliche Arbeitszeit immer weiter schrumpfen lassen muß, da der Technische Fortschritt diesem geschuldet ist. Die USA hat natürlich eine höhere Arbeitszeit von 1904 Stunden im Jahre 2002 gehabt, sie besitzt in Relation zu Deutschland aber auch nur ein Produktivitätsniveau von 82 %. Mit der Schrumpfung der Arbeitszeit und der Arbeitszeitverkürzung von vielen Arbeitnehmern auf Null ging massiv die Massenkaufkraft verloren. Wäre der riesige Exportüberschuß nicht gewesen, wäre in den vergangenen Jahren wohl ein Nullwachstum zu diagnostizieren gewesen. Im Klartext, wer soll die Güter kaufen, die an den Feiertagen produziert werden? Wirtschaftliche Stärke hat nichts mit der Zahl an Feiertagen oder Urlaubstagen zu tun, sondern allein mit den ökonomischen RahmenbedingungenProduktivität, Anpassungsfähigkeit an strukturelle Veränderungen, Kaufkraft und der Relation des Einsatzes von arbeits- und kapitalintensiven Produktionsverfahren. Es ist auch sehr schnell still um diese Debatte geworden; die Arbeitgeber sind kaum auf diesen Zug aufgesprungen. Diskussionen müssen gerade entgegengesetzt geführt: Arbeitszeitverkürzung, damit jeder Mensch das Gut Arbeit in Anspruch nehmen darf. Es wäre die Zeit reif, die Vision von Oswald von Nell-Breuning in die Tat umsetzen: wöchentliche Arbeitszeit 20 Stunden. Die Katholische Arbeitnehmer Bewegung, KAB, meint, dass in einer gesättigten Gesellschaft, in der große Wachstumssprünge selbst von optimistischen Visionären verneint werden, es die große Herausforderung ist, Umverteilungsprozesse sozial gerecht umzusetzen. Aachen, den 30.6.03 Katholische Arbeitnehmer Bewegung, KAB Bezirksleitung Aachen-Stadt/Eifel und –Land Martinstraße 6 52062 Aachen Tel: 0241 – 4001863 E.mail: andris.gulbins@kab.bistum-aachen.de