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7. Einstellen und Auflösen von Fahrstraßen

    (1) Fahrstraßen sind die signaltechnisch gesicherten Fahrwege, die unterschieden werden in 
    • Zugstraßen,
    • Zughilfsstraßen und

    • Rangierstraßen.
    (2) Zugstraßen werden durch Bedienen der Zugstraßentasten am Start und Ziel eingestellt. 
    • Die Starttaste ist die Zugstraßentaste am Startsignal.
    • Die Zieltaste für eine Einfahrt ist
      • die Zugstraßentaste am Ausfahrsignal (vgl. Bild 7.1),
      • die Zugstraßentaste eines Sperrsignals vor einem Gruppenausfahrsignal bzw. am Ende von Einfahrgleisen, wenn kein Ausfahrsignal vorhanden ist oder
      • die Gleistaste eines Stumpfgleises.
      Beim Einstellen der Einfahrzugstraße läuft der D-Weg mit ein.
    7.1
    Bild 7.1
    Zugstraße für eine Einfahrt eingestellt
    • Sind für die Einfahrt in ein bestimmtes Gleis mehrere D-Wege vorgesehen, ist jeweils eine besondere Zieltaste vorhanden. Die Zieltaste für eine Kurzeinfahrt kann die Zugstraßentaste eines vor dem Ausfahrsignal stehenden Haupt/ Sperr- oder Sperrsignals oder Zugdeckungssignals sein.
    • Die Zieltaste für eine Ausfahrt ist die Zugstraßentaste im Streckengleis (vgl. Bild 7.2) oder die Signaltaste des ersten Zentralblocksignals.
    7.2
    Bild 7.2
    Zugstraße für eine Ausfahrt eingestellt
    • Ausfahrzugstraßen aus Ausfahrgruppengleisen beginnen an einem Sperrsignal. Starttaste ist die Zugstraßentaste des Sperrsignals und Zieltaste ist die Zugstraßentaste im Streckengleis oder die Signaltaste des ersten Zentralblocksignals; die Festlegemelder am Sperrsignal und am Gruppenausfahrsignal leuchten (vgl. Bild 7.3).
    7.3
    Bild 7.3
    Ausfahrzugstraße aus Gruppengleis eingestellt
    • Für durchfahrende Züge ist die Einfahrt und die Ausfahrt je für sich einzustellen.
    (3) Zwischen den Start- und Zieltasten können Zwischentasten vorhanden sein. Die Zugstraße wird durch zwei Bedienungshandlungen eingestellt: 
    • Zugstraßentaste am Start und Zwischentaste
    • Zwischentaste und Zugstraßentaste am Ziel.
    (4) Zum Einstellen einer Zugstraße, bei der Mittelweichen nicht in der Grundstellung befahren werden, müssen die Mittelweichen in die erforderliche Stellung gebracht werden. Danach sind die Mittelweichengruppentaste und innerhalb von 5 Sekunden die Zugstraßentasten am Start und Ziel zu bedienen.
    (5) Zum Einstellen einer Umfahrzugstraße sind die Fahrwegelemente im Fahr- und D-Weg in die erforderliche Stellung zu bringen. Danach sind die Umfahrgruppentaste und innerhalb von 5 Sekunden die Zugstraßentasten am Start und Ziel zu bedienen. Die Schutzweichen laufen fahrstraßenweise ein.
    (6) Zughilfsstraßen werden durch Bedienen der Zughilfsstraßentaste und der Zugstraßentaste eingestellt. Ein Hauptsignal am Anfang einer Zughilfsstraße bleibt hierbei auf Halt.
    (7) Eine Zug- oder Zughilfsstraße wird selbsttätig festgelegt, wenn alle Weichen und Flankenschutzeinrichtungen in der richtigen Stellung verschlossen sind und die Gleismelder der zum Fahr- und D-Weg gehörenden Gleisabschnitte und Weichen gelb leuchten. Die Festlegung wird durch den gelb leuchtenden quadratischen Festlegemelder neben der Starttaste angezeigt. Dieser Melder bestätigt, daß der Fahrweg einschließlich D-Weg gesichert ist. Der gelb leuchtende runde D-Weg-Melder neben dem Zielsignal zeigt an, daß das Einstellen weiterer Fahrstraßen, auch gegenläufiger, die den D-Weg berühren, gesperrt ist.
    (8) Wird bei selbsttätigem Streckenblock eine Ausfahrzugstraße bei noch besetztem Ausfahrblockabschnitt eingestellt, kommt das Ausfahrsignal erst auf Fahrt. wenn der Ausfahrblockabschnitt geräumt worden ist (Nachlaufen des Ausfahrsignals).
    (9) Zugstraßen werden selbsttätig hinter dem Zug abschnittsweise aufgelöst. Kreuzungen werden wie Weichen aufgelöst. Die Weichen sind wieder stellbar, wenn sie grenzzeichenfrei geräumt sind. Der Festlegemelder erlischt mit Auflösung der ersten Fahrwegweiche. Der D-Weg darf zurückgenommen werden, wenn der Zug am gewöhnlichen Halteplatz hält. Für die Rücknahme des D-Weges sind die Durchrutschwegrücknahmegruppentaste und innerhalb von 5 Sekunden die Fahrstraßenrücknahmetaste und die Zugstraßentaste am Ziel zu bedienen. Der D-Weg kann so nicht zurückge nommen werden, wenn bereits eine Ausfahrzugstraße eingestellt ist oder der D-Weg automatisch aufgelöst wird (automatische D-Weg-Auflösung durch Besetzen des Zielgleises und Ablauf einer Verzögerungszeit).
    (10) Müssen nach einer Einfahrt Mittelweichen aufgelöst werden, sind nach Rücknahme des D-Weges besetzte Mittelweichen durch Bedienen der Fahrstraßenrücknahmetaste und der Weichentaste, ggf. noch nicht befahrene Mittelweichen durch Bedienen der Fahrstraßenhilfstaste und der Weichentaste aufzulösen.
    (11)
    • Vor der Hilfsauflösung der Zugstraße ist das Hauptsignal auf Halt zu stellen. Danach sind die Fahrstraßenhilfstaste und innerhalb von 5 Sekunden die Zugstraßentasten am Start und Ziel zu bedienen. Voraussetzung ist natürlich, daß der sich möglicherweise bereits nähernde Zug zum Stillstand gekommen und der Lokführer bereits unterrichtet ist. Die Weichen und die Gleisabschnitte können auch einzeln durch Bedienen der Fahrstraßenhilfstaste und der Weichen- bzw. Gleistasten hilfsaufgelöst werden. Der D-Weg muß durch Bedienen der Durchrutschweghilfstaste und der Zugstraßentaste am Ziel gesondert hilfsaufgelöst werden. D-Wege innerhalb von weiterführenden Zugstraßen dürfen nicht mit der Durchrutschweghilfstaste hilfsaufgelöst werden. 
    • Bei eingestellter Durchfahrt darf die Ausfahrzugstraße nur hilfsaufgelöst werden, wenn die Einfahrzugstraße aufgelöst ist.
    (12) Einfahrzugstraßen und Zugstraßen von Abzweigstellen können mit einem Annäherungsverschluß ausgestattet sein (Zusatzbestimmungen). Dieser verhindert die Gesamthilfsauflösung einer Fahrstraße mit der Fahrstraßenhilfstaste, wenn der Annäherungsverschlußabschnitt bei festgelegter Einfahrzugstraße besetzt ist. Der Annäherungsverschluß bleibt wirksam, auch wenn das Signal zurückgenommen wird. Bei wirksamem Annäherungsverschluß ist die Einzelhilfsauflösung weiterhin möglich.
    (13)
    • Bei eingeschaltetem Selbststellbetrieb wird allen Zügen einer Fahrtrichtung eine bestimmte Zugstraße zugeordnet. Der Selbststellbetrieb wird durch Bedienen der Selbststellbetriebseinschalttaste und der Zugstraßentaste eingeschaltet. Der Selbststellbetriebsmelder des betreffenden Signals zeigt gelbes Ruhelicht (vgl. Bild 7.4). Bei Annäherung des Zuges blinkt der Selbststellbetriebsmelder kurzzeitig gelb. Bei signalgesteuerten BÜ-Sicherungseinrichtungen im Selbststellbereich blinkt der Selbststellbetriebsmelder bis zu einer Zeit, die für die Sicherung des BÜ notwendig ist. Die Zugstraße wird zugbewirkt eingestellt und aufgelöst. In den Zugpausen kann ohne Rücknahme des Selbststellbetriebs rangiert werden. Der Selbststellbetrieb kann jederzeit durch Bedienen der Selbststellbetriebsrücknahmetaste und der Zugstraßentaste zurückgenommen werden. Ein Fahrt zeigendes Signal bleibt in Fahrtstellung.
    7.4
    Bild 7.4
    Selbsstellbetrieb für die Signale A und N2 eingeschaltet
     
    • Der Selbststellbetrieb für mehrere Zugstraßen (zuglenkbetrieb) ist in den Zusatzbestimmungen geregelt.
    (14) Werden auf elektrifizierten Strecken Fahrstraßen in Gleise ohne Oberleitung eingestellt, sind die Fahrstraßenfreigabetaste und innerhalb von 5 Sekunden die entsprechenden Tasten am Start und Ziel zu bedienen.
    (15)
    • Die Einstellung von Fahrstraßen in bestimmte Gleise kann durch Bedienen der Sperrtaste und der Fahrstraßensperrtaste gesperrt werden (Befahrbarkeitssperre); der Sperrmelder leuchtet rot (vgl. Bild 7.5).
    7.5
    Bild 7.5
    Befahrbarkeitssperre wirksam
      Die Entsperrung erfolgt durch Bedienen der Sperrtaste und der Fahrstraßenentsperrtaste; der Sperrmelder erlischt. 
    • Nach dem Bedienen der Sperrumgehungstaste ist für die Dauer von 5 Sekunden die Befahrbarkeitssperre für alle gesperrten Gleise aufgehoben und einmalig die Einstellung einer Fahrstraße möglich. Nach dem Einstellen dieser Fahrstraße ist die Befahrbarkeitssperre für alle gesperrten Gleise wieder wirksam.
    (16) Rangierstraßen werden durch Bedienen der Rangierstraßentasten am Start und Ziel eingestellt. Starttaste ist die Rangierstraßentaste am Startsignal (Haupt/ Sperr- oder Sperrsignal). Zieltaste ist die Rangierstraßentaste eines Zielsignals (Haupt/ Sperr- oder Sperrsignal) oder die Rangierstraßentaste eines Zielpunktes ohne Signal. Die Weichen laufen fahrstraßenweise ein (Weichenlaufkette) und werden verschlossen. Das Sperrsignal am Start kommt auch in die Stellung Sh 1, wenn Gleisabschnitte oder Weichen besetzt sind. Rangierstraßen sind auch einzustellen, wenn das Sperrsignal am Start gestört ist. Rangierstraßen haben in der Regel keinen Flankenschutz.
    (17) Zum Einstellen von Rangierstraßen mit Zwischentasten gilt Absatz 3 sinngemäß.
    (18) Zum Einstellen einer Umfahrrangierstraße sind die Fahrwegelemente im Fahrweg in die erforderliche Stellung zu bringen. Danach sind die Umfahrgruppentaste und innerhalb von 5 Sekunden die Rangierstraßentasten am Start und Ziel zu bedienen.
    (19) Rangierstraßen werden selbsttätig durch die Rangierfahrt abschnittsweise aufgelöst. Die Weichen sind wieder stellbar, wenn sie grenzzeichenfrei geräumt sind.
    (20) Vor der Rücknahme einer Rangierstraße ist das Startsignal auf Halt zu stellen. Danach sind die Fahrstraßenrücknahmetaste und innerhalb von 5 Sekunden die Rangierstraßentasten am Start und Ziel zu bedienen. Die Weichen und Gleisabschnitte können auch einzeln durch Bedienen der Fahrstraßenrücknahmetaste und der Weichen- bzw. Gleistasten zurückgenommen werden.
    (21) Soll nach Beendigung einer Rangierfahrt der noch verschlossene Rangierstraßenteil zurückgenommen werden, sind die Weichen und Gleisabschnitte einzeln durch Bedienen der Fahrstraßenrücknahmetaste und der Weichen- bzw. Gleistasten aufzulösen. Eine Gesamtauflösung ist möglich, wenn zwischen Einstellen und Auflösen keine Weiche dieser Rangierstraße umgestellt wurde.