Bey Luchtmans: Johannis Rudolphi Thorbecke, Zwolla-Batavi, responsio ad quaestionem de eo quod in Dogmaticis oppugnandis inter Academicos et Scepticos interfuit; in certamine academiarum Belgicarum praemio ornata. 1821. 100 Seiten in Quart.
Die auf mehreren Universitäten gestifteten Preisfrageninstitute für Studierende scheinen besonders der Geschichte der Philosophie günstig werden zu wollen. An die auf unserer Universität gekrönten, in dieses Fach einschlagenden Preisfragen, die nicht als bloße Exercitien ausgefallen sind, und einen bleibenden litterarischen Werth haben, schließt sich die vor uns liegende, von einem jungen Holländischen Gelehrten, der seitdem als Doctor der Philosophie auf Reisen begriffen ist, rühmlichst an. Der Verfasser zeigt in dieser Abhandlung nicht nur eine große Belesenheit, die, nach Holländischer Art, in fast zu viel Zitaten aus alten und neueren Schriftstellern hervorblickt; er hat auch mit philosophischer Gründlichkeit das aufgegebene Thema durchdacht und ausgeführt.
Der erste Theil der Abhandlung gibt eine klare und richtige Ansicht von der Philosophie der sogenannten Academiker und von dem Skepticismus im Allgemeinen. Sehr gut ist aufmerksam darauf gemacht, wie der Skepticismus gewöhnlich als ein negativer Dogmatismus den Systemen, die er bestreitet, gegenüber tritt, und durch seine negandi audacia sich leicht mit dem natürlichen Menschenverstande entzwyet. Mit dem Worte Skepticismus sey überhaupt im Allgemeinen wenig gesagt, da es so verschiedene Arten des Skepticismus gibt, die sich immer nach dem Geiste des Zeitalters, nach dem jedesmaligen Zustande der dogmatischen Philosophie, nach den Fortschritten, die der Skepticismus selbst schon gemacht, und auch nach der persönlichen Denkart des Skeptikers richten.
Hierauf wird mit vieler Genauigkeit das Eigenthümliche des Pyrrhonismus nach seinen Entwickelungsstufen vor und nach Aenesidemus erläutert. Aber wie der academische Skepticismus des Arcesilas und des Carneades durch das Studium der dialectischen Seite der platonischen Schriften habe veranlaßt werden können, scheint uns noch immer nicht ganz klar, so umständlich auch der Verfasser es zu zeigen sucht.
Der zweite Theil der Abhandlung setzt aus einander, worum der academische Skepticismus, seiner ursprünglichen Natur nach, zur Wahrscheinlichkeitslehre wurde, und endlich zu einem bescheidenen Dogmatismus zurückkehrte, der pyrrhonische aber mit jedem Schritte anmaszender um sich griff und dem menschlichen Geiste am Ende in jeder Hinsicht nur einen blinden Glauben an die Erfahrung übrig ließ, der denn doch wieder ein eigenes Vertrauen zu der Vernunft voraussetzte, indem er durch Schlüsse die Wahrheit der sinnlichen Anschauung verdächtig machte.