Göttingische Gelehrte Anzeigen (1820)




Leiden: Bey H. W. Hazenberg d.j.:

Joannis Rudolphi Thorbecke: Commentatio de C. Asinii Pollionis vita et studiis doctrinae.
Accedit Casp. Jac. Christ. Reuvens: Epimetrum de quibusdam monumentis cum Pollionis historia coniunctis, et tabula lithographica.

1820. S. VIII und 144. XVIII. In 8.



Dies Werk, welches der Verfasser seinem würdigen H. Vater und den trefflichen Professoren, seinen Lehrern, H. van Lennep, van Swinden und van Voorst zugeeignet hat, verdient als eine wohlgerathene Monographie einer Anzeige in diesen Blättern.

Sie betrifft einen Mann, der zu seiner Zeit sehr vielen Ruf und großes Ansehn hatte, auch noch jetzt haben würde, wären nicht alle seine Schriften unverdienterweise verloren gegangen. Ein Mann wie Pollio in doppelter Hinsicht ausgezeichnet, denn er war Kriegsmann wie Gelehrter, hatte Theil an den wichtigsten Vorfällen seiner Zeit, Freund von Julius Cäsar, Cicero, Virgil und Horaz, und ein Gelehrter, der seines Gleichen suchte, dieser Pollio verdiente allerdings eine eigne Untersuchung, da die Aufsätze von Johann Heinrich Fels, Jena 1713. 4., von Peter Ekermann, Upsala. 1745, 4., und von Christian Heinrich Eckhardt, Jena, 1743. 4., so unbekannt sind, daß der Verfasser keine derselben benutzen konnte. Er ging also zu den Quellen, aus welchen jene ja auch geschöpft haben mußten. Erst nach vollendeter Arbeit fiel ihm des H. Maurits Cornelius van Hall Werk in die Hände: M. Valerius Messala Corvinus, geschetst in eenige Tafereelen uit de Romeinsche Geschiedenis, geduurende zijn leven. 1 B., worin der Verfasser sich über den Pollio weitläuftig ausläßt, im Sinne unsers jungen Biographen.

Die erste Erwähnung der Pollionen geschieht im Marsischen Kriege; Herius Asinius, Prätor der Marruciner, in deren Hauptorte Teate diese Familie zu Hause war, fiel gegen C. Marius fechtend im Jahre 663 nach Erbauung Roms. Gaius Asinius Pollio Vater hieß Carus; unser Pollio war Großsohn jenes Herius und geboren im Jahre 678: den C. Cato klagte er im 21. Jahre seines Lebens an, also 699. Er schloß sich an den Julius Cäsar an, diente unter ihm in Gallien, begleitete dann den Curio nach Sicilien und Africa im Jahre 704. Aus der Niederlage des vermessenen Curio rettete er sich, wahrscheinlich sofort nach Griechenland zum Cäsar, dem er im Treffen bey Pharsalos im Jahre 705 half. Als Prätor widersteht er dem Dolabella und geht dann nach Spanien. Im Jahre 713 ward er von den Triumvirn zum Consul ernannt. Hätte ihn Antonius nicht geschützt, so wäre es ihm übel ergangen, denn Octavianus war ihm nicht hold, indem er Spottverse (fescenninos nach Macrobius, II, 4) auf ihn schrieb. Taceo, sagte Pollio, non enim facile est, in eum scribere, qui potest proscribere. Es war klug von ihm, daß er schwieg, und sich von dem zurückzog, der ihn für einen schlechten Staatsbürger hielt, weil er nicht seiner Meinung war. Doch Octavian war edel genug, sich zu besinnen, und sich mit ihm auszusöhnen, denn Pollio wird intercessor pro Virgilio apud Augustum genannt. Als Statthalter von Gallia Cisalpina beschützte er den Virgilius. Indeß war er doch seinem Antonius und dessen Gattinn Fulvia treu gegen den Octavian, wie im Perusinischen Kriege usw. Nicht lange nach dem Brundisischen Frieden zwischen Octavian und Antonius zog er sich ins Privatleben zurück, und widmete sich ganz den Wissenschaften.

Er stiftete eine Bibliothek zum freyen Gebrauche aller, worin er zu Rom der erste war: verschieden war davon die Bibliotheca Octavia, wie der Verfasser gegen Conring de Bibliotheca Augusta (Helmstadii 1684 p. 29) gelehrt darthut. Richtig lieset der Verfasser Plinius H.N. VII. c. 30 quae prima in urbe statt in orbe. Auch in der Liebe zur schönen Kunst zeichnete Pollio sich aus. Daß er die Gelehrten unterstützt, und Bedrängten beygestanden usw. ist bekannt aud Horaz. Er starb in voller Geisteskraft 757 nach Erbauung Roms im 80. Jahre seines Lebens auf seinem Tuskulanischen Landgute. Die Geistesgröße des Mannes und seine Vaterlandsliebe schildert der Verfasser sehr treffend, so wie seine Heiterkeit, Ordnungsliebe, Beredsamkeit usw.

Im zweyten Theile stellt er den Pollio als Gelehrten dar, als Redner, Declamator, Geschichtschreiber, Dichter und Critiker, so belesen und überdacht, daß wir ihm unsern Beyfall nicht versagen können, und die Kürze unsrer Blätter anklagen, die uns nicht erlaubt, unser Lob ausführlich zu beweisen.

Sehr trefflich ist Hr. Prof. Reuvens Epimetrum de quibusdam monumentis cum Pollionis historia coniunctis. Ad Thorbeckii commentationem de C. Asinio Pollione. Zuerst handelt der Verfasser De Atrio libertatis, Schola Rhetorum et Pollionis imaginibus, gelehrt und einsichtsvoll, besonders in den ersten beiden Paragraphen mit Beziehung auf Pompeii, Mazois Les Ruïnes de Pompeji, Wilhelmus Gells, Petrus Gands und des erstern le Palais de Scaurus, nicht ohne verdiente Belobung unsers würdigen Schneiders, dessen Verdienste um den Vitruvius gelobt werden, mit dem Wunsche, daß der in der Vorrede zu Xenophons Memorabilia Socratis 3. Ausg. S. XI versprochene vierte Band bald erscheinen möge.



Terug naar de Thorbecke Pagina