Die Stufe in den Auftriebskurven
moderner Wölbklappenprofile
Von Karel Termaat, übersetzt aus dem
Niederländischen von Stefan Bernardy
Einleitung:
Die Tragkraft eines Flügels lässt sich einfach berechnen durch die bekannte
Auftriebsformel:
L = CA . ½.r.V2.S (1)
Hierin sind die Luftdichte r (rho) und die Flügeloberfläche S Konstanten, V ist die variable
Fluggeschwindigkeit die der Pilot innerhalb weiter Grenzen selbst einstellen
kann und CA ist der dazu gehörige Auftriebsbeiwert. Wenn das
Segelflugzeug sich im Kräftegleichgewicht befindet, muss der Auftrieb L gleich
dem Gewicht G des Segelflugzeuges sein, inklusive Bemannung und anderen
Belastungen, wie sie z.B. beim Kreisen auftreten. Wir können für die
Auftriebsformel also auch schreiben:
G = CA . ½.r.V2.S (2)
woraus als Funktion der Fluggeschwindigkeit direkt der Auftriebsbeiwert CA
folgt, der nötig ist um das Flugzeug zu tragen, nämlich:
CA = (G/S) / ( ½.r .V2) (3)
Hierin ist G/S die bekannte Flächenbelastung (in N/m2, meistens
in kg/m2 angegeben) und ½.r .V2 der dynamische Druck. Aus dieser Formel wird klar, dass der für den Flug
benötigte CA bei höheren Geschwindigkeiten quadratisch schnell
kleiner wird und umgekehrt. Eine wichtige Feststellung, wie sich später zeigen
wird. Aerodynamisch gesehen ist der Auftriebsbeiwert CA eine
Eigenschaft des Flügelprofils und direkt abhängig vom Anstellwinkel a (alpha) der Anströmung. Der Zusammenhang zwischen
CA und a wird
gewöhnlich in einem Diagramm festgelegt, der CA-a Kurve, auch Auftriebskurve
genannt.
Neben dem Auftriebsbeiwert CA und dem dazu gehörenden
Anstellwinkel a ist
ein zweiter wichtiger Parameter der Widerstandsbeiwert CDp des
Profils. Auch dieser Beiwert wird gewöhnlich in einem Diagramm festgelegt, der CA-CDp Kurve,
auch Profilpolare genannt. CDp
wird zur Berechnung des Widerstandes benötigt, den das Profil durch seine Form
und Reibung mit der Luft während des Fluges erfährt, und zwar:
WDp = CDp.
½.r.V2.S (4)
Hieraus sehen wir, dass sich der Profilwiderstand mit dem Quadrat der
Fluggeschwindigkeit ändert und es daher vor allem bei hohen Geschwindigkeiten
gewünscht ist, CDp durch einen optimalen Entwurf so klein wie
möglich zu halten. Eine zweite Widerstandsquelle entsteht, weil der Flügel
einen „actio = reactio“ Effekt auslöst während er sich durch die Luft bewegt.
Das Gewicht des Flügels wird „getragen“ durch die Luft, die dadurch etwas nach
unten abgelenkt wird. Hierbei entstehen Wirbel in der abgehenden Strömung,
besonders an den Flügelenden. Der Widerstand, der hierdurch entsteht, wird
induzierter Widerstand WDi genannt. Er ist der Preis, der für den
Auftrieb bezahlt werden muß. Bei kleinen Geschwindigkeiten ist der induzierte
Widerstand ungefähr gleich groß wie der Profilwiderstand. Mit Winglets kann der
induzierte Widerstand verringert werden; sie fördern außerdem auch die
Fugstabilität. Bei höheren Fluggeschwindigkeiten nimmt der induzierte
Widerstand schnell ab, denn:
WDi = constante / V2 (5)
Bei bekanntem Auftriebsbeiwert CA, berechnet für eine gegebene
Fluggeschwindigkeit V aus Formel (3), können nun aus den CA-CDp
und CA-a Kurven
direkt der Profilwiderstandsbeiwert CDp
und der dazugehörige Anstellwinkel a abgelesen werden. Weiter unten wird sich zeigen, dass bei gegebenem CA
dieser Anstellwinkel durch den Pilot stets genau überwacht werden muss, um bei
einem niedrigen Profilwiderstand optimal zu fliegen.
Das generieren von genauen CA-CDp und CA-a Kurven ist das typische Arbeitsgebiet des Aerodynamikers,
der all sein theoretisches Wissen und seine Erfahrung, sowie gute Software und
einen guten Windkanal benötigt, um zu einem optimalen Profilentwurf zu kommen.
An der TU Delft ist es Loek Boermans in seiner Funktion als Leiter des Low Speed Aerodynamics Laboratory
zusammen mit seinen Mitarbeitern oftmals gelungen, dieses Ziel zu erreichen und
er genießt mittlerweile große Bekanntheit auf dem Gebiet der Aerodynamik
niedriger Geschwindigkeiten von Segel- und Motorflugzeugen.
Profile ohne und mit
Wölbklappen:
Sucht man in der Literatur nach Auftriebskurven,
dann findet man für die CA-a Kurven meistens eine Abbildung wie in Abbildung 1.

Abbildung 1: Die klassische Auftriebskurve für ein
asymmetrisches
Flügelprofil ohne Wölbklappen (Quelle: Botag in Wikipedia)
- Profile von Segelflugzeugen der Standardklasse haben üblicherweise
Auftriebskurven, die stark der von Abbildung 1 gleichen. In dieser
Veröffentlichung über Profile mit Wölbklappen wird nicht weiter auf das Wohl
und Wehe von Flugzeugen dieser Klasse eingegangen. Über frühere nicht so
günstige Erfahrungen von Baer Selen beim Kreisen in turbulenter Luft mit einem
Flugzeug dieser Klasse könnte übrigens viel gesagt werden. In Zusammenarbeit
mit der TU Delft wurden gute Lösungen in Form von Fluggeschwindigkeit,
Profiländerungen und später auch Anwendung von Winglets vorgebracht, um dieses
Verhalten zu verbessern.
- Wenn das Profil Wölbklappen hat, gilt für jede Wölbklappenstellung eine
andere Auftriebs- und Widerstandskurve. Bei positiver Klappenstellung bekommt
das Profil mehr Wölbung und verschieben sich die Kurven, die bezogen bleiben
auf die Profilsehne mit den Klappen in Nullstellung, in den Diagrammen nach
oben. Für negative Klappenstellungen gilt das Umgekehrte.
Innerhalb der Grenzen von Handlichkeit und Sicherheit wird bei einem
Profilentwurf stets nach einem möglichst niedrigen Widerstand gestrebt.
Entscheidend sind dabei eine kleine Profildicke und eine möglichst lange
laminare Grenzschicht an beiden Seiten des Profils. Es ist tatsächlich möglich
ein relativ dünnes Profil zu entwerfen, das in einem kleinen
Anstellwinkelbereich rund a = 0° bei praktikablen Klappenstellungen sowohl auf der Unterseite, als
auch auf der Oberseite des Profils eine sehr lange laminare Grenzschicht hat.
Auf der Unterseite gilt dies heutzutage bis an den Beginn der Klappe, oder
sogar bis zur Hälfte der Klappe. Dort wird dann mit Zackenband oder
Ausblaslöchern die laminare Strömung künstlich zum Umschlag in die turbulente
Strömung gebracht, so dass auch für das letzte Stück des Profils noch eine
stabiele Grenzschicht entsteht und keine frühzeitige Ablösung der Strömung
auftritt. Auf der Oberseite des Profils findet der Umschlag unter günstigen
Umständen bei ungefähr 75 % der Profiltiefe statt. Durch die spezielle Form des
Profils geschieht dies auf eine gut kontrollierte, natürliche Weise. Dabei
entsteht oft eine dünne laminare Blase, wobei sich die laminare Strömung ablöst
von der Oberfläche, turbulent wird und sich stromaufwärts wieder anlegt, ohne
zusätzlichen Widerstand zu erzeugen.
Bei jeder Klappenstellung kann man ein kleines Gebiet von Anstellwinkeln
angeben, wofür das oben genannte gilt und wobei der Widerstand des Profils sehr
klein ist. Um hiervon zu profitieren, muß zu jedem Wert der Fluggeschwindigkeit
und zugehörigen Wert von CA, wie er aus Formel (3) folgt, die
richtige Klappenstellung gewählt werden. Bei der richtigen Klappenstellung hat
CDp stets einen sehr niedrigen Wert. Für die Antares zeigt Abbildung
2 die CA - CDp Kurven bei verschiedenen
Klappenstellungen, woraus dies deutlich hervorgeht. Sehr ähnliche Kurven gelten
für andere moderne Wölbklappenprofile.

Abbildung 2: Gemessene CA
- CDp Kurven für verschiedene Wölbklappenstellungen des
Profils DU97-127/15M bei einer
Reynoldszahl von 1,5 Millionen (Quelle: TU Delft, bearbeitet)
Aus Abbildung 2 wird deutlich, dass bei den niedrigen CA Werten,
die im Schnellflug auftreten, eine etwas zu positive Klappenstellung eine
beträchtliche Zunahme in CDp verursachen kann. So ist die
Kombination CA = 0,3 (bei 180 km/h) und Klappenstellung + 5°
ungünstig. Klappenstellung 0° oder -3° ist hier die richtige Wahl. Aber auch
beim langsamen Fliegen und positiveren Klappenstellungen muß man aufpassen. So
ist die Kombination CA = 1,0 (bei 100 km/h) und Klappenstellung 0°
wirklich ungünstig, weil der Widerstand dann sehr hoch ist (CDp
liegt sogar außerhalb des Diagramms). Klappenstellung 10° oder 20° ist hier die
richtige Wahl.
In all den Fällen, wo eine ungünstige Kombination von Auftriebsbeiwert und
Wölbklappenstellung gewählt wird, wird die laminare Grenzschicht entweder an
der Unterseite des Profils oder an der Oberseite unnötig früh turbulent und
verursacht, vor allem wenn dabei auch noch Strömungsablösung auftritt, viel
zusätzlichen Profilwiderstand. Normalerweise stellen Segelflugzeughersteller
Tabellen zur Verfügung, in denen, achtend auf den Profilwiderstand, günstige
Kombinationen von Fluggeschwindigkeiten und Klappenstellung angegeben werden.
Genaue CA - CDp Kurven, die aus Berechnungen und
Windkanalmessungen entstanden sind, sind die Grundlage dieser Tabellen. Es ist
wichtig, ihnen während dem Flug große Aufmerksamkeit zu schenken.
Für ein modernes Wölbklappenprofil sind in Abbildung 3 eine Anzahl
gemessener Auftriebskurven gegeben. Sowohl im Langsamflug mit positiven
Klappenstellungen und großen CA, als auch beim Schnellflug mit
niedrigen CA, ist das Gebiet von Anstellwinkeln, bei denen der
Widerstand gering ist, klein und liegt typischerweise in der Nähe von a = 0°.

Abbildung 3: Auftriebskurven eines modernen Wölbklappenprofils
(bearbeitet);
vor dem flachen Teil ist dCA/da = 0,1/Grad, darin ist dCA/da = 0
Wo geht es schief:
Was bei den Auftriebskurven von Abbildung 3 auffällt und abweicht von der
Form der Auftriebskurve eines Profils ohne Wölbklappen, so wie in Abbildung 1,
ist der horizontale Verlauf im Mittelteil der Kurven, vor allem für die
positiveren Klappenstellungen. Dieser horizontale Teil fällt für jede
Klappenstellung immer zusammen mit der Obergrenze der entsprechenden CA
– CDp Widerstandskurve wie in Abbildung 2 dargestellt. Für noch
etwas größere Werte von CA nimmt CDp sehr schnell zu, so
wie für CA = 1,0 bei Klappenstellung = 0° in Abbildung 2 angegeben.
Es ist also gewünscht, während dem Flug diese Obergrenze zu respektieren, indem
man eine richtige Kombination von CA (Geschwindigkeit) und
Klappenstellung wählt, bei der ein niedriger CDp gegeben ist. Es
wird dann mit einem kleineren Anstellwinkel a deutlich vor dem horizontalen Teil der
Auftriebskurven in Abbildung 3 geflogen.
Im horizontalen Teil der Auftriebskurven von Abbildung 3 nimmt bei
zunehmenden Anstellwinkel der Auftrieb im vorderen Teil des Profils weiter zu,
aber im weiter stromabwärts gelegenen Teil nimmt dieser ab als Folge des
frühzeitigen turbulent Werdens der Grenzschicht und Ablösung der Strömung auf
den nach unten ausgeschlagenen Wölbklappen. Bei einem guten Abgleich dieser
zwei Effekte beim Profilentwurf, ist der totale Auftrieb in diesem Gebiet der
Auftriebskurven ungefähr konstant und unabhängig vom Anstellwinkel. Hinter dem
horizontalen Teil in der Auftriebskurve nimmt CA wieder zu durch
eine etwas zurückhaltende Abnahme des Auftriebs im hinteren Teil des Profils
bei den größeren Anstellwinkeln. Schließlich zeigen die Auftriebskurven den
bekannten Verlauf beim Überziehen eines Profils. Der horizontale Teil in der
Auftriebskurve, die sogenannte Stufe, wird nun schon seit längerer
Zeit Beim Entwerfen von Wölbklappenprofilen angewendet, nachdem sich
herausgestellt hatte, dass ein noch mehr auf CDp optimiertes Profil,
wobei eine Senke in der Auftriebskurve entsteht, nicht gut
funktionierte beim Thermikfliegen.
Seit ein paar Jahren scheinen dennoch einige in der Praxis auftretende
Probleme, so wie früher beim Kreisen bemerkt durch Baer Selen bei einem
Segelflugzeug ohne Wölbklappen und später im weiteren Sinne durch Ronald
Termaat und durch mich für ein Segelflugzeug mit Wölbklappen, durch flache
Teile in den Auftriebskurven verursacht zu werden. Bei einer netten und
konstruktiven Beratschlagung von Ronald und mir mit Loek Boermans über diese
Probleme stellte sich heraus, dass Loek nach langem Suchen dahinter gekommen
war, dass man in einem neuen Entwurf den flachen Teil in den Auftriebskurven
besser ersetzen sollte durch einen leicht positiven Gradienten. Allerdings
hatten Piloten von Segelflugzeugen mit Wölbklappen hierüber noch nie
Anmerkungen gemacht, erzählte er. Ronald und ich waren die ersten die hiermit
begonnen hatten, nun während dieses Besuches an der TU Delft und kurz davor
auch aus Issoudun während der EM 2007.
Die Probleme, um die es bei einem Wölbklappenprofil mit einer Stufe in der
Auftriebskurve geht, sind:
a.
Das Flugzeug kann bei der Landung nicht anständig
abgefangen werden; landen mit einem Anstellwinkel der gerade vor, oder gerade
schon im horizontalen Teil der Auftriebskurve liegt, bringt ja bei
Anstellwinkelerhöhung während des Abfangens keinen zusätzlichen Auftrieb mehr
und deshalb prallt das Flugzeug auf den Boden.
b. Während des relativ langsamen Anfliegens von Thermik (suchen) bleibt der
bekannte Stoß nach oben aus, durch die plötzlich auftretende vertikale Strömung
passiert der Anstellwinkel ja den horizontalen Teil und CA bleibt
konstant.
c. Beim langsamen Fliegen in unregelmäßiger, turbulenter Thermik bleibt das
Steigen hinter der Erwartung zurück, aufwärts gerichtete Luftbewegungen haben
ja keinen anhebenden Effekt wenn der Anstellwinkel a in das horizontale Gebiet gerät, während abwärts
gerichtete Luftbewegungen a verkleinern und das Profil auf die übliche Weise nach unten drücken. Ergo,
das mittlere thermische Steigen in dieser typischen Thermik wird ungünstig
beeinflusst durch den im Mittel negativen Effekt der Turbulenzen.
Zwei Vorgehensweisen, um diese Probleme unter Kontrolle zu bekommen:
1. Anpassen des Profils:
Für neue Segelflugzeuge mit Wölbklappen dürfen die
Auftriebskurven, so wie die in Abbildung 3, keine Stufe mehr aufweisen, sondern
müssen in dem entsprechenden Anstellwinkelbereich mindestens einen leicht
steigenden Verlauf haben, damit Anstellwinkelvergrösserungen, die in dieses
Gebiet fallen, eine Zunahme des Auftriebsbeiwertes verursachen. Die
Landeprobleme sind dann besser unter Kontrolle zu bekommen und das Anfliegen
von Thermik wird besser wahrzunehmen sein. Daneben wird der negative Effekt von
Turbulenzen auf das mittlere Steigen in einer turbulenten Thermikblase deutlich
schwächer sein weil aufwärts gerichtete Böen einen anhebenden Effekt
verursachen werden und damit den Effekt der negativen Böen teilweise
kompensieren werden. Abbildung 4 zeigt
während eines Fluges in Thermik gemessene vertikale
Geschwindigkeitsschwankungen wobei das Segelflugzeug, die ASW-19 der TU Delft,
gemittelt 3 m/s stieg. Laut Berechnungen von Loek Boermans wird bei einem
Profil mit einer horizontalen Stufe wie angegeben (typical airfoil) durch die
dynamischen Effekte bei 750 m zurückgelegtem Weg ein zusätzlicher Höhenverlust
von 19 m aufgetreten sein. Das entspricht bei einer Fluggeschwindigkeit von 25
m/s (90 km/h) einer zusätzlichen Sinkgeschwindigkeit von 0,63 m/s. Wird in dem
Anstellwinkelbereich der Stufe der leicht positive Gradient von dCA/da = 0,025 pro Grad in der Kurve realisiert,
(new airfoil), dann ist die zusätzliche Sinkgeschwindigkeit 0,23 m/s. Der
Unterschied ist 0,40 m/s, d.h. dass ein Profil mit einem leichten Gradienten in
der Auftriebskurve bei dieser Fluggeschwindigkeit 0,40 m/s besser steigen wird
als ein Profil mit Stufe. Eine beachtliche Verbesserung also.

Abbildung 4:
Zusätzlicher Effekt von Turbulenzen auf die Sinkgeschwindigkeit während des
Kreisens
mit einer
konstanten Fluggeschwindigkeit von 25 m/s (Quelle: TU Delft; siehe auch die
Serie von
Veröffentlichungen von Loek Boermans in Sailplane and Gliding der Monate
Juni bis November 2009)
Aber bei einem neuen Profilentwurf will man auch keine Abstriche machen bei
zuvor erreichten günstigen Schnellflugeigenschaften. Detaillierte
Entwurfsberechnungen zeigen, dass das tatsächlich nicht der Fall sein muss.
2. Anpassen des Flugstils:
Bei den heutigen Profilen mit Stufe kann der Flugstil wie folgt angepasst
werden, um die negativen Effekte zu begrenzen:
a.
Lande mit einer etwas höheren Geschwindigkeit,
wobei der Anstellwinkel deutlich vor dem Beginn der Stufe bleibt. Mach eine
gleichmäßige Radlandung und bremse mit vollen Störklappen und einer effektiven,
zuverlässigen Radbremse. Eine gut federnde Radaufhängung ist hier angebracht.
b. Flieg neues Steigen ausreichend schnell an damit plötzliche
Anstellwinkelvergrößerungen, wie sie beim Einfliegen in Thermik auftreten
können, noch vor der Stufe liegen.
c. Flieg etwas schneller in turbulenter Thermik und tue das mit relativ viel
Schräglage um gut zentriert zu bleiben; der Anstellwinkel a bleibt dann immer so weit wie möglich vor der
Stufe.
d. Bei einer etwas großräumigeren Ausdehnung des turbulenten thermischen
Gebietes kann man möglicherweise besser durch eine zurückhaltende Verwendung
der Klappen bei einer etwas höheren Geschwindigkeit punkten, aus Abbildung 3
zeigt sich ja, dass sich die Stufe bei kleineren Klappenstellungen zu größeren
Werten von a
verschiebt, und damit die Marge für das Erreichen der Stufe durch positive
Turbulenzen etwas größer wird.
e.
Im Langsamflug dicht bei der Stufe ist es ratsam,
beim Übergang zu einer noch geringeren Geschwindigkeit erst die Wölbklappen zu
verstellen und danach die Geschwindigkeit weiter zurück zu nehmen. Beim
Übergang zu einer höheren Geschwindigkeit erst die Geschwindigkeit erhöhen und
danach die Klappen verstellen. Auf diese Weise bleibt die Marge zwischen dem
aktuellen Anstellwinkel und dem Anstellwinkel am Beginn der Stufe stets so groß
wie möglich. Im Schnellflug gibt es keine Stufe, auf die geachtet werden muss.
Zur Erläuterung dieser Richtlinien wurden
geschwindigkeitsabhängige Berechnungen ausgeführt mit einer dazu von mir
entwikkelnden dynamischen Routine. Die Ergebnisse von nur zwei Berechnungen
gebe ich hier wieder.
In Abbildung 5 wird als Funtion der
Kreisfluggeschwindigkeit Vvc die Steiggeschwindigkeit Vs_total wiedergegeben in
einer ruhigen Thermikblase mit einer maximalen Stärke von 3 m/s im Zentrum. Es
wird die Auftriebskurve des Profils aus Abbildung 3 mit den Wölklappen
eingestellt auf 15° angewendet. In Abbildung 5 ist die Auftriebskurve die rote
Linie, die bei 100 km/h deutlich die Stufe erkennen läßt.
Aus der Abbildung geht hervor, dass das maximale
Steigen, das erreicht werden kann, 1,8 m/s beträgt, bei einer
Fluggeschwindigkeit von 102 km/h. Das ist gerade eben vor der Stufe.

Abbildung 5: Kreisen in ruhiger Thermik (keine
Turbulenzen)
Anschließend wurde eine
identische Berechnung ausgeführt, wobei aber zu dem Thermikmodell von Abbildung
5 sinusförmige Turbulenzen mit einer variablen Amplitude von gemittelt 1,5 m/s
hinzugefügt wurden. Das Ergebnis dieser Berechnung
ist in Abbildung 6 dargestellt.

Abbildung 6: Kreisen in turbulenter Thermik
In dieser Abbildung ist nachdrücklich der negative
Effekt der Turbulenzen anwesend. Die günstige totale Steiggeschwindigkeit
Vs_total von 1,8 m/s aus Abbildung 5 fällt hier auf 1,3 m/s. Eine recht
dramatische Abnahme des Steigens von ca. 0,5 m/s. Der separat wiedergegebene
Effekt der Turbulenzen Vs_gusts auf die Steiggeschwindigkeit spricht für sich.
Die Abbildung zeigt, dass es nützlich ist, etwas schneller zu fliegen, z.B. mit
einer Geschwindigkeit von ca. 110 km/h.
Mit einem Anstellwinkel zu fliegen, der hinter der
Stufe liegt und wo die Auftriebskurven aus Abbildung 3 wieder steigen, d.h.
fliegen mit einer geringeren Geschwindigkeit als 100 km/h, ist vielleicht
möglich, wird aber für den Piloten äußerst schwierig sein. Bei dem relativ
großen Anstellwinkel der hierfür nötig ist, sind die Klappen überzogen; dies
wird in Kombination mit den auftretenden vertikalen Geschwindigkeitsschwankungen
der Luft das Kontrollieren eines akzeptablen Flugzustandes nicht einfacher
machen. Dennoch gibt es positive Berichte hierüber. Vielleicht wiegen die
günstigen dynamischen Effekte das erhöhte Eigensinken und die schlechte
Kontrollierbarkeit auf. Von dieser Methode rate ich beim gemeinsamen Kreisen
sicher ab. Man würde dann vielleicht besser erwägen, die turbulente Thermik zu
verlassen um etwas weiter weg ruhigeres Steigen anzufliegen. Ich selbst tat das
schon einmal von einer vielversprechenden Stelle bei Epe in Holland aus,
nachdem ich schimpfend immer noch keinen Meter höher gekommen war.
Ein grober Vergleich der Ergebnisse meiner
dynamischen Routine mit der von Loek Boermans liegt natürlich auf der Hand.
Loek führte seine detailiertere Analyse mit einem echten, gemessenen
Turbulenzsignal aus bei einer festen Fluggeschwindigkeit von 90 km/h und fand
einen negativen Effekt von -0,63m/s, siehe Abbildung 4. In Abbildung 6 finde
ich, mit einer etwas höheren Flächenbelastung fliegend, bei 102 km/h und einem
sinusförmigen Turbulenzsignal mit zufälliger Amplitude einen Effekt von -0,50
m/s. Im Prinzip also eine gute Übereinstimmung, aber ein etwas konservativeres
Ergebnis.
Die Verbesserung dieses Verlustes, die dadurch
auftritt dass anstelle der Stufe ein Gradient von dCA/da = 0,025 pro Grad gewählt wird, ergibt bei Loek
den respektablen Effekt von +0,40 m/s bei 90 km/h. Eine identische Berechnung
mit meiner geschwindigkeitsabhängigen Routine führt zu einer Verbesserung in
der Sinkgeschwindigkeit von +0,32 m/s bei 102 km/h. Also ebenfalls eine gute
Übereinstimmung.
Schlußfolgerungen:
-
Die ersten modernen Flugzeuge mit Profilen ohne
flache Stufe, nämlich die Diana 2, die ASH-30, die JS1 und auch der Arcus
fliegen mittlerweile oder sind im Bau.
-
Man kann erwarten, dass in der näheren Zukunft
ausschließlich Profile ohne Stufe in der CA - a Kurve entworfen und angewendet werden. Der
Leistungsgewinn, der durch diese Modifizierung erreicht werden kann, ist
günstiger als was noch zu erreichen wäre mit einer weiteren Verkleinerung des
Profilwiderstandes oder des induzierten Widerstandes.
-
Bei den heutigen modernen Profilen ist es möglich,
durch strategisches Fliegen den Anstellwinkel a möglichst weit vor der Stufe zu halten, womit die
negativen Effekte bei der Landung, beim Anfliegen von Thermik und vor allem
beim Kreisen in turbulenter Thermik verringert werden können.
Es muß allerdings erwähnt werden, dass die
in diesem Artikel genannten Berechnungen unter der Annahme ausgeführt wurden,
dass die Stufe über die gesamte Spannweite im selben Moment und in gleichem
Maße aktiv ist. Dies ist aber nicht der Fall. Durch die willkürliche räumliche
Verteilung und Abmessung von Turbulenzen tritt eine gewisse Streuung ihrer
positiven und negativen Effekte über der Flügeloberfläche auf. Außerdem sind
die Profileigenschaften über die Länge des Flügels oft nicht konstant weil
gewöhnlich mehrere Profile verwendet werden, um günstige und vor allen sichere
Flugeigenschaften zu erwirken. Die Folge ist, dass die negativen Effekte der
Stufe sich nicht gleichzeitig und im selben Maße manifestieren und der totale
Effekt eigentlich eine Summe von lokalen Effekten ist. Die Ergebnisse der
Berechnungen werden hierdurch etwas überschätzt wiedergegeben.
Weitere
Arbeiten an der TU Delft:
An der TU Delft läuft eine Simulationsstudie wobei
mit dem Flugsimulator „Silent Wings“ in der turbulenten Thermik von Abbildung 4
geflogen wird mit einem Segelflugzeug, das mit Flügelprofilen mit und ohne
Stufe ausgestattet ist. Hiermit wird versucht, noch genauere Einsichten in das
Verhalten und die Leistungen des Flugzeuges in Abhängigkeit vom Steuerverhalten
des Piloten zu erhalten. Das letzte Wort über die Stufe ist also noch nicht
gesprochen.
Zum
Schluß:
Ich bedanke mich bei meinen Freunden für die
inspirierenden Diskussionen über und direkten Beiträge zu dieser
Veröffentlichung über die Stufe in den CA – a Kurven moderner Segelflugzeuge mit Wölbklappen.
Dies gilt vor allem für meinen Sohn Ronald und daneben selbstverständlich für
Loek Boermans, die beide auf ihrem eigenen Gebiet von praktischer Erfahrung und
theoretischem Wissen einen wesentlichen Beitrag zum Zustandekommen dieses
Werkes geliefert haben. Außerdem habe ich ziemlich viel spezielle Literatur
studiert um mich mit dem schönen Fachgebiet der Aerodynamik etwas besser
vertraut zu machen: Bücher und Skripten von Helmut Reichmann, Fred Thomas, Loek
Boermans, John Anderson und anderen. Außerdem stellte sich mit einigem Suchen
auch das Internet als Wissensquelle heraus, vor allem das Werk von frühen
Pionieren auf diesem Gebiet betreffend.
ir. K.P. Termaat
Arnheim / Delft, 17.12.2009

XT im Endanflug