Margarete Steiff
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  In unserem Museum spielen mehr als 500 Käthe-Kruse-Puppen mit ihrem eigenen Puppenspielzeug, Kuscheltieren und Teddybären. Viele Teddys sind kahl gespielt,  haben aber im Laufe der Zeit nichts von ihrem Charme verloren. Die vielen Plüschbären, Hunde, Katzen und andere Tiere in dem Museum sind überwiegend von der bekannten Marke STEIFF.
   
  Margarete Steiff (1847) ist, wie Käthe Kruse (1883), ein Begriff in der Sammlerwelt geworden. Ein Unwissender verwechselt oft die beiden berühmten Frauen miteinander. In unserem Museum hört man oft die Bemerkung: Käthe Kruse, das ist doch die Frau im Rollstuhl? Nein, das war Margarete Steiff!
Es sind zwei verschiedene Frauen, aber doch mit einigen Gemeinsamkeiten. Sie waren beide sehr selbständig und emanzipiert. Beide hatten das Geschick ein Unternehmen zu führen und beide hatten Gefühl für das Material, das sie verarbeiteten. Käthe Kruse wurde berühmt und bekannt durch Ihre handgefertigten Stoffpuppen - sie werden schon seit 100 Jahren hergestellt.
Margarete Steiff wurde durch Ihre Plüschteddybären, Filz Puppen und andere Figuren aus Filz und Plüsch berühmt.
   
  Käthe Kruse fing mit der gewerbsmäßigen Puppenherstellung im Atelier ihres Mannes, dem berühmten Bildhauer Max Kruse in die Fasanenstrasse in Berlin, an. Schon schnell, 1911, ist sie   nach Bad Kösen an der Saale umgesiedelt, wo sie bis 1950 ihren Betrieb hatte. Sie erreichte dort den Höhepunkt ihres Schaffens. Nachdem sie in der sowjetisch besetzten Zone keine Arbeitsmöglichkeiten mehr hatte und die Enteignung Drohte,  flüchtete sie in den Westen und der Betrieb wurde in Donauwörth, wo Ihre Söhne bereits für sie tätig waren, sesshaft. 1956 übernehmen Ihre Tochter Hanne mit deren Ehemann Heinz Adler den Käthe Kruse Betrieb in Donauwörth. Die Werkstatt ist noch heute in Donauwörth aber seit 1991 kein Familienbetrieb mehr. 1991 ist der Betrieb in die Hände der Familie Christenson übergeben worden und er stellt noch immer Puppen unter dem Namen Käthe  Kruse her.
   
  Margarete Steiff wurde die Begründerin  einer Firma in Giengen an der Brenz, die Weltruhm erlangte. Sie wurde, wie Käthe Kruse etwas später, eine Fachfrau und gelangte zu großer Bekanntheit. Sie wurde eine gute Geschäftsfrau, und konnte mit ihren Kuscheltieren viele Kinderherzen begeistern.
   
  Margarete Steiff wurde in Gingen als drittes von vier Kindern der Eheleute Friedrich und Maria Margarete Steiff geboren. Kurz nach der Geburt des Bruders erkrankte Margarete an Fieber. Allmählich erholt sie sich wieder, doch sie kann Ihre Beine nicht mehr bewegen und der rechte Arm bleibt unter Belastung nur eingeschränkt einsetzbar. Verzweifelt fährt die Mutter mit ihr nach Ulm zu einem Spezialisten, der Kinderlähmung diagnostiziert und keine Möglichkeit für eine Heilung sieht. Das gehunfähige Mädchen muss in einem Leiterwagen herumgezogen werden. Gretel kann allenfalls zusehen, wie Ihre Schwestern mit Nachbarkindern im Freien herumtoben und wenn Marie und Pauline Ihre Freundinnen besuchen, denken sie nicht immer daran, Ihre jüngere Schwester mitzunehmen.
   
  Die Krankheit verhindert nicht, dass sich Margarete Steiff zu einem fröhlichen Kind mit überdurchschnittlichen Noten und großem Organisationstalent entwickelt. Diese Gabe, die ihr auch später im Leben weiterhelfen wird, macht es ihr auch möglich, Dinge so zu gestalten, so dass sie trotz ihrer Behinderung an Vielem teilhaben konnte. Von ihren Eltern wird sie recht streng gehalten, deshalb lebt sie auch im Sommer 1856 auf, während sie bei der Familie von August Hermann Werner, dem Gründer der Wernerschen Klinik, wohnt. Eine Operation ihrer Beine, bringt keine Besserung. Ihren Wunsch die Nähschule zu besuchen, setzt sie gegen den Willen der Eltern durch. Auf Grund ihrer Lähmung hat sie zwar teilweise Schwierigkeiten, wird aber bald eine perfekte Schneiderin. Die älteren Schwestern von Margarete, Marie und Pauline, eröffnen eine Damenschneiderei in der Margarete zeitweise mit arbeitet.
   
  1874 baut ihr Vater, Friedrich Steiff, das Wohnhaus in der Ledergasse um und richtet dort eine Schneiderei ein. Margarete und Ihre Schwestern haben bald mehr und mehr Arbeit und sie können sich, als erste in Giengen an der Brenz, eine eigene Nähmaschine kaufen. Obwohl Margarete wegen ihrer Lähmung die Nähmaschine nur von der eigentlich falschen Seite aus bedienen kann, wird Margarete schnell sehr geschickt und produktiv.
   
  1877 eröffnet sie auf Anraten eines angeheirateten Vetters (Wilhelm Adolf Glatz) ein Filzgeschäft. Aus dem Laden in ihrem Wohnort entwickelt sich ein kleines Unternehmen mit mehreren fest angestellten Näherinnen. 1880 entdeckt Margarete Steiff in einer Zeitschrift das Modell eines Elefanten und sie näht mit ihren Näherinnen gleich zwei Säcke voll mit Nadelkissen in Form eines Elefanten, die sie auf dem Heidenheimer Markt verkaufen wollen. Die Elefanten sind ein voller Erfolg, so dass daraufhin auch andere Tiere
entworfen und produziert werden. Kaufte Margarete für die Tiere im Jahr 1886 noch für 1460 Mark Filz ein, so ist es vier Jahre später bereits ein Posten von 5070 Mark.
   
1892 werden die ersten Steiff Puppen aus Filz produziert; das Sortiment enthielt 21 verschiedene Puppentypen, hauptsächlich Trachtenpaare, aber auch Matrosen, Gärtner und Schäfer. 1892 wird bereits der erste Katalog gedruckt. 1893 steigt der Umsatz der Spielwaren bereits auf 16.000 DM über den der Filzwaren an. 1901 wird das Spielzeug bereits bis in die USA exportiert, der Umsatz beläuft sich auf über 180.000 Mark.I
 
Ab 1897 werden die Steiff Tiere mit einem Label versehen.
 

Erster Steiff Bär.

 

 

Richard Steiff

Die Firma Steiff beansprucht die Erfindung des Teddybären für sich, von Fachkreisen wurde das oftmals bestätigt. Steiff zufolge entwickelte Richard Steiff, ein Neffe der Gründerin, das erste Exemplar. Einen Spielbären mit drehbarem Kopf und zotteligem Fell, den er auf der Leipziger Messe 1903 präsentierte. Dort wurde das Kuscheltier jedoch von deutschen Händlern wenig beachtet. Auf der Messe möchte zunächst keiner die Neuheit kaufen. Gerade sollen die Tiere wieder eingepackt werden, da kommt ein amerikanischer Vertreter von Greorge Borgfeld & Co an den Stand. Er ist so begeistert von dem drolligen Bären, dass er sofort 3000 Stück bestellt, um sie in Amerika zu verkaufen. So tritt Margarete Steiffs Teddybär seinen Siegeszug um die Welt an.
 

 

  Damals hieß das Plüschtier aber noch nicht "Teddy". Erst im Jahr 1907 benannte es die Firma Steiff offiziell so. Entsprechend seiner Popularität ranken sich um die Namensgebung des Bären viele Geschichten.
   
  So behaupten etwa die Briten, ihr König Edward VII., genannt "Teddy", habe sich im Londoner Zoo in einen Koalabären verliebt, woraufhin das Tier nach ihm benannt worden sein.
 

 

Bild:Teddybear cartoon.jpg Wahrscheinlicher ist allerdings, dass der amerikanische Präsident Theodore Roosevelt für den Namen verantwortlich ist, dessen Spitzname ebenfalls Teddy" war. 1902 soll ihm bei einer Jagd auf Schwarzbären in Mississippi kein einziger Bär begegnet sein. Daraufhin fingen ihm seine Begleiter ein Jungtier und banden es an einen Baum. Doch der Präsident weigerte sich, auf den wehrlosen Bären zu schießen. In der amerikanischen Tageszeitung
Washington Post" erschien eine Meldung über die erfolglose Bärenjagd des Präsidenten, begleitet von einer inzwischen weltberühmten Karikatur. Der russische Einwanderer Clifford K. Berryman zeichnete Roosevelt, der den Bären verschont. Sowohl Roosevelt als auch der Bär hatten seit der Veröffentlichung dieses Cartoons ein neues Image. Das der amerikanische Zeichner Berryman, der die Karikaturen des begeisterten Bären-Jägers Theodore Roosevelt immer mit einem kleinen Bären signierte (Teddy-Bär) sorgte unbewusst für die beste Teddy-Bär Werbung. Der Steiff-Teddy wurde 1903 auf der Leipziger Messe vorgestellt und bereits im gleichen Jahr über 12.000 mal verkauft.
   
  Karikatur von Clifford K. Berryman
   
  Das Markenzeichen, der Knopf im Ohr, wurde ab November 1904 an allen Steiff-Tieren angebracht. Ursprünglich war der Metallknopf mit einem eingeprägten Elefanten versehen, später wurde das Elefanten-Emblem durch den Schriftzug Steiff ersetzt. Das Markenzeichen der Steifftiere ist der meist metallene Knopf im Ohr, erfunden 1904 von Franz Steiff und die zugehörige Fahne, sowie ein sich meist an der Brust befindliches Schild. Im Laufe der Zeit veränderte sich der Knopf (eingeführt am 1. November 1904) in Form und Größe stark. Fahne und Schild (wohl ab 1897) veränderten sich ebenfalls. Kenner können anhand dieser Merkmale die Entstehungszeit eines Tieres oft sehr genau erschließen.
   

Der Erfolg des Teddys überstieg alle Erwartungen. Bereits 1907 wurden 974.000 Stück Steiff-Teddybären produziert. Die fünf Neffen der Firmengründerin werden im selben Jahr zu Geschäftsführern der Steiff GmbH ernannt und man beschäftigt 400 Arbeiter in der Fabrik und weitere 1800 Frauen mit Heimarbeit. Während der schlechten wirtschaftlichen Lage in Amerika werden 1908 viele Bestellungen storniert. Margarete Steiff erlebt die Höhen und Tiefen mit, wird aber zusehends körperlich schwächer.

   
Margarete Steiff mit Bär 1909 starb Margarete Steiff.

Margarete wird müde. Sie zieht sich immer mehr in ihre Wohnung zurück und stirbt dann am 9. Mai 1909 kinderlos, im Alter von 61 Jahren im Kreise ihrer Familie. Die ungeheure Tatkraft und Energie eines behinderten Mädchens, das sich seinen Lebenstraum erfüllte hinterlässt immer noch Kinderträume mit liebevoll gestalteten Stofftieren. Es starb ein liebenswerter und schöpferischer Mensch, eine angesehene und beliebte Mitbürgerin, in ihrer Herzensgüte eine Wohltäterin vieler Armen, eine halbgelähmte, behinderte Frau, die nie den Mut verloren und sich mit ihren Tieren in Millionen von Herzen in aller Welt ein Denkmal gesetzt hat." Die Teddybären (mit "Knopf im Ohr")  sind geliebtes Spielzeug geworden, für Kinder und von Erwachsene, die Kinder von damals.

Bemerkenswert war, dass der Teddybär bereits in dieser Zeit seinen weltweiten Siegeszug angetreten hatte. Man hatte damals noch kein Fernsehen oder das Internet zur Verfügung und keine Kinoreklame. Der Teddybär ist so berühmt geworden, dass er für alle Menschen auf der Welt zum Begriff geworden ist. 
 

   
 

 

 

 

 
Wenn Ich dich  sitzen sehe, kaputt und repariert,
Dann wird mein Herz gerührt, was ist da nur passiert.
Deine runden Knopfaugen gucken lustig in die weite Welt hinein
Es ist ob du selber denkst: so schön kann „Leben“ sein.
 
Deine Nase ist kahl, verschlissen, der Stoff ist nicht mehr dicht
Und überall die Flicken -  eine Schönheit bist du nicht.
Man kann es dir nicht ansehen, durch deinen geflickten Leib:
Aber einst warst du ein stolzer Bär, du bist ein Bär von Steiff !
 
Um dich wurde gekämpft, in der Vergangenheit,
Und du verließt  nicht unversehrt so manchen Kinderstreit.
Aber es wurde nicht nur um dich gekämpft: du wurdest auch verehrt
Du wurdest gehätschelt und geküsst, durch manches Kind begehrt.
 
Du hast viel Liebe einst empfangen, ein Kind hat dir vertraut,
Jetzt siehst Du ganz erbärmlich aus, durch die kaputte „Haut“.
Deine kahle Schnauze mit gelben Flicken, – traurig schaust du drein
Durch deinen stillen Schmerz, wirst du dennoch mein "Liebling" sein.
 
Man kann an dir gut sehen: Zeit allein  heilt keine Wunden.
Aber Ich bin froh mit dir – denn Ich hab dich gefunden.
Meine Liebe ist blind, die sieht weder Flicken noch Schrunden.
Darum bin Ich ja so glücklich, denn Ich bin dir so verbunden.
 

 

 

© M. Schnellenberg