| Dipl.Biol.
ErnstGeorg Beck Der K Koppler Ein neuer akustischer Impedanzwandler Ein Lautsprecher ist ein elektromechanischer Wandler der, wie der
Name schon sagt, elektrische in akustische Signale transformiert. Im
einfachsten Fall strahlt eine Membrane Schall direkt an die
umgebende Luft ab (Direktstrahler). Eine weitere Möglichkeit besteht
darin, die schallabstrahlende Membran durch ein Horn an die Luft
anzukoppeln. Eine Sonderform davon stellt der hier beschriebene
KKoppler dar. Auf der Suche nach einer optimalen akustischen
Impedanztransformation beschritt seinerzeit der Amerikaner John E.
Karlson einen neuen Weg. In drei Patenten 1951, 1954 und 1968,
präsentierte er eine beachtenswerte Lösung, die die Vorteile der
neueren akustischen Hörner, hoher Wirkungsgrad, große Bandbreite,
und breite horizontale Abstrahlung mit anderen bei hoher Effizienz
bisher nicht realisierbaren Eigenschaften vereint: den KKoppler.
Diese Konstruktion (bild 1) besteht aus einer Röhre, entlang deren
Längsachse sich ein Schlitz exponentiell öffnet. Die Grundidee ist folgende: Wenn eine Membran in eine Pfeife unendlicher Länge Schall abstrahlt, tritt ihr ein konstanter frequenzunabhängiger Strahlungswiderstand entgegen. Endliche Pfeifen bieten jedoch nur einen geringen nutzbaren Strahlungswiderstand [1]. Außerdem entstehen durch den abrupten Übergang an die umgebende Luft besonders im unteren Frequenzbereich Reflexionen, die zu einem sehr unruhigen Impedanz wie Frequenzverlauf führen. Solche Systeme erzeugen aufgrund der schwingenden Luftsäule Resonanzen. Schall wird praktisch nur bei einem Verhältnis von Länge der Röhre/ Wellenlänge von 1/4, 3/4, 5/4, 7/4 usw. abgestrahlt. Um mehr Resonanzen zu erzeugen, kann die Pfeife seitlich zusätzliche Öffnungen enthalten. Dies ist bei vielen Blasinstrumenten verwirklicht.
Frequenzgang und Wirkungsgrad Der Frequenzgang des KKopplers wird u. a. durch die mathematische
Funktion der Schlitzöffnung und die Länge der Röhre bestimmt. Die
untere Grenzfrequenz entspricht der Wellenlänge, die viermal so groß
ist wie die Länge des KKopplers, wobei die Dämpfung der
Frequenzkurve bei ca. 12 dB/Oktave liegt. Eine obere Grenzfrequenz
ergibt sich weder theoretisch noch praktisch. Die Mittelhochtonausführung des
KKopplers "The Tube" erzeugt mit dem Druckkammersystem TAD 2001
einen glatten Frequenzverlauf bis über 20 000 Hz. Da der Strahlungswiderstand oberhalb der unteren Grenzfrequenz dem
einer unendlichen Pfeife bzw. einem Exponentialhorn bei hohen
Frequenzen entspricht, gelten für den Wirkungsgrad des KKopplers
Werte um ca. 50 %. Exponentialhörner z. B. können diesen Wert jedoch
nur in einem schmalen Frequenzband erzeugen. Anders der KKoppler,
der von der unteren Grenzfrequenz bis über 22 000 Hz eine
gleichbleibend hohe Effizienz besitzt. Verzerrungen Der KKoppler hat im Gegensatz zu Hörnern keine enge
Eintrittsöffnung. Deshalb können auch keine dadurch verursachten
Verzerrungen auftreten, Messungen ergaben weder Hinweise auf
Harmonische noch IntermodulationsVerzerrungen [3]. Auch
Hörversuche erlauben keine Rückschlüsse in dieser Hinsicht. Beim
direkten Vergleich zwischen "The Tube" und verschiedenen Longthrow,
Radial und Diffraktionshörnern zeigte der KKoppler gutes
Auflösungsvermögen, große Dynamik und Verfärbungsfreiheit. Abstrahlverhalten Aufgrund der Konstruktion des K-Kopplers wird Schall auf andere
Weise als bei gängigen Systemen projiziert. Die Schallabstrahlung
durch den Schlitz wird durch Reflexionen an den Innenwänden der
Röhre bestimmt. Dadurch ist die horizontale Abstrahlung durch die
Form der Querschnittsfläche bedingt. Eine Kombination flacher Wände
produziert sogenannte "Lobes" [Polardiagramm der Multizellarhörner
in [1]). Elliptische oder kreisförmige Querschnitte erzeugen eine
nahezu halbkreisförmige frequenzunabhängige Projektion. |
| Gerade dies ist mit Hörnern nur näherungsweise zu erzielen. Beim "Tube" wurde ein horizontaler frequenzunabhängiger Abstrahlwinkel von ca. 120° gemessen. Dabei hat jede Frequenz ihre definierte Austrittsstelle entlang des Schlitzes. Vertikal strahlt das Rohr in einer nahezu flachen Ebene ab, die je nach verwendetem Druckkammersystem in einem Winkel von ca. 35° unterhalb der Längsachse der Röhre liegt und sich bei zunehmendem Abstand nicht vergrößert.Diese Projektionseigenschaften erlauben den KKoppler im Mittelhochtonbereich als ShorthrowEinheit einzusetzen. Andererseits lassen sich Frequenzmessungen wie sie z. B. bei Hörnern und Direktstrahlern durchgeführt werden, mit solchen von KKopplern nur bedingt vergleichen: Eine Schallpegelmessung in einem Meter Abstand liefert eine nichtlineare Charakteristik in Abhängigkeit vom Meßwinkel. Weiterhin von Betracht ist die Tatsache, daß im Gegensatz zu Hörnern der Schallpegel bei doppeltem Abstand nicht auf 1/4 abfällt, sondern sich halbiert [3]. |
Praktische Ausführung des KKopplers: BaßhybridGehäuse
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Die älteste Anwendung des KKopplerprinzips ist als
BaßhybridGehäuse realisiert (Abbildung 2). Diese Konstruktion
stellt hauptsächlich eine Kombination von KKoppler und
Baßreflexsystem dar. Das relativ kleine Gehäuse erlaubt eine
Abstrahlung von ca. 50...900 Hz bei hohem Wirkungsgrad. Jedoch zeigt
die Frequenzkurve mindestens zwei konstruktionsbedingte Nullstellen.
Weiterhin fällt der Schalldruck bei ca. 900 Hz um 6 dB ab. Die Nullstellen resultieren aus der Verwendung paralleler Wände in der eine Röhre simulierenden Kammer 1. Kammer 2 hinter dem Lautsprecher ist mit Kammer 1 durch die Öffnung X verbunden. Der Lautsprecher strahlt also rückwärtig durch ein System von zwei Kammern, was ebenfalls für Einbrüche im Frequenzgang sorgt. Aufgrund der vertikalen Länge von 80 cm wird durch den KKoppler Schall bis ca. 130 Hz abgestrahlt. Unterhalb davon arbeiten die beiden Reflexöffnungen. Die direkte Abstrahlung des Lautsprecherchassis verstärkt den oberen Frequenzbereich. Der nichtlineare Frequenzgang ist weiterhin auf stehende Wellen im KKoppler und die senkrechte Aufstellung zurückzuführen. Abbildung 2: Baßhybridgehäuse als Kombination aus Baßreflexgehäuse und K-Koppler |
| Diese Box erfreut sich seit 1980/81 steigender Beliebtheit auf dem
professionellen Beschallungssektor. Als Baßteil für kleine
PAAnlagen und Instrumententalbox hat sie trotz der erwähnten
Charakteristiken durch ihre geringe Größe und relativ hohen
Wirkungsgrad schon etliche Musiker überzeugt. Leider ist auf dem
PAMarkt das "Leergehäusefieber" ausgebrochen, wobei dem Musiker die
Wahl der Lautsprecherchassis überlassen wird. Dies, zusammen mit
finanziellen Uberlegungen, führt meist zu Gehäusen, die nur einen
Bruchteil dessen leisten, wozu sie bei richtiger Abstimmung in der
Lage wären; so auch bei diesem KKoppler.
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| Das "Tube" Ein weiterer derzeit auf dem Markt befindlicher KKoppler ist das
Modell "The Tube" (Bild 3 und 4). |
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Die besonderen Eigenschaften
des Tubes können nur dann voll genutzt
werden, wenn Treiber mit sorgfältig konstruierten PhasingPlug
verwendet werden. Mitteltontreiber, die einen Bereich von 500 bis
maximal 6000 Hz abstrahlen,
wie von EV, Fane, RCF, H+H und Beyma sind deshalb ungeeignet.
Dagegen werden mit Breitband-Druckkammer-systemen von TAD, JBL,
Altec, Emilar, Coral und Beyma gute Ergebnisse erzielt, da diese
Systeme erst bei 17 000 bis 22 000 Hz ihre obere Grenzfrequenz
erreichen. bild 3 Mit einer Röhre, entlang deren Längsachse sich ein Schlitz exponentiell Öffnet, verband John E. Karlson mit seiner Erfindung die Vorteile akustischer Hörner mit großer Bandbreite und breiter horizontaler Abstrahlung. Hier sieht man das "Tube", eine Mittelhochtoneinheit.
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| Perspektiven Die prinzipell neuen Eigenschaften des KKopplers bieten genügend
Raum für weitere Entwicklungen. Besonders die Anwendung der
Thiele/SmallTheorie verspricht eine Optimierung der bisherigen
Systeme. Theoretisch läßt sich auch für den Tiefbaßbereich ein
KKopper konstruieren. Dieser müßte jedoch für die Abstrahlung von
30 Hz ca. 3,5 Meter lang sein, was wohl bei kommerzieller Nutzung
ein limitierender Faktor darstellt. Praktische Lösungen stellen
deshalb ähnlich wie bei Baßhörnern gefaltete Systeme oder
Kombinationen mit anderen akustischen Prinzipien dar. Entsprechende
Experimente werden derzeit bei BEC-Audio durchgeführt. Es existieren
Prototypen, die bei geringer Bauform eine tiefe Baßwiedergabe mit
hohem Wirkungsgrad erzeugen. Weiterhin sind Systeme für den Baß/ Mittenbereich zwischen 200 und 2000 Hz denkbar. Leider existiert gerade für diesen Frequenzbereich zur Zeit nur ein geeigneter Hochleistungslautsprecher (M4, Community, Light + Sound). Die Zukunft wird zeigen ob die vergleichsweise ungewöhnliche Bauform und Abstrahlung akzeptiert wird und wo das KKopplerprinzip in der Praxis Vorteile vor anderen Systemen hat. |
![]() bild 4. Komplette Mittelhochtoneinheit unter Verwendung des
Tube von BEC-AudioLiteraturo |
Literature [1] Olson, H.F.:
"Acoustical Engineering. Van Nostrand 1957. Dieser Artikel wurde 1982 in der Fachzeitschrift Funkschau, Sonderheft Nr. 39 Musik und Elektronik veröffentlicht. |