Rudolph Garrels (1675 - 1750)

Orgelbouwer


Aus/Uit: Ostfriesland Magazin, Mai/mei 5/1993 Seiten/bladzijde 34-39

Christof Stöver

“Eurem Namen soll es nie an Lob mangeln” 

Ein Holzschnitzer und Orgelbauer aus Norden: Rudolph Garrels

 

Am 9. Mai vor 243 Jahren starb Rudolph Garrels, Holzschnitzer und Orgelbauer aus Norden. In den Niederlanden legen noch zahlreiche Orlgelwerke Zeugnis von seinem handwerklichen Können ab. Christof Stöver stöberte in Archiven und Chroniken, um mehr über das leben und Wirken des Künstlers zu erfahren.

Daß die Kanzel in der Ludgerikirche zu Norden ein Werk des Holzschnitzers Rudolph (Redelph) Garrel(t)s ist, ist den Einheimischen und Liebhabern sakraler Kunst bekannt. Daß Garrels jedoch auch Orgeln baute, ist hierzulande in Vergessenheit geraten. Nicht so in den Niederlanden, wo heute noch zahlreiche Orgeln des Norders zu finden sind. Bevor wir uns seinem Lebenslauf und Werk zuwenden, noch eine Bemerkung zur Schreibweise seines Namens: In den Niederlanden unterschrieb der vielseitige Künstler Urkunden vielfach mit "Rudolph Garrels", deshalb soll im folgenden diese Schreibweise beibehalten werden.

Garrels wurde in Norden geboren und am 25. März 1675 in der Norder Ludgerikirche getauft. Sein Vater war der am 7. Mai 1669 aus Osteel zugezogene Bierbrauer Garrelt Harrings, sei- ne Mutter hieß Eske (Elsche, Eelsche) Christoffers. Er wuchs zusammen mit seinen   Geschwistern Gretchen (Gertchen), geboren 1670, Geelke, geboren 1673, end Aeltjen, geboren 1677, auf, wo allerdings die Familie in Norden gewohnt hat, ist nicht feststellbar.

Garrels heiratete am 27. April 1727 -über 50 Jahre alt- die in Delft geborene Jannetje van de Vijver. Sie wohnten in einem kleinen Nebenhaus des "Sacraments Gasthuis" in 's Gravenhage (Den Haag, Niederlande) als sogenannte „commersalen“ (Kostgänger). Am 9. Mai jährt sich der Todestag Rudolph Garrels: Er starb im Jahre 1750. Im Sterbeeintrag wird er als „beeldsneijder“ und „orgelbouwer“ (Holzbildhauer und Orgelbauer) bezeichnet. In seinem Testament bestimmte er für die Kinder seiner Schwester, Geelke Garrelts und Heere Jeltens, wohnhaft in Funnixsiel, ein Legat von 600 Gulden. Wo Garrels begraben wurde, ist leider nicht bekannt.

 Als im ersten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts die Erstellung einer neuen Kanzel für die Ludgerikirche geplant wurde -die Vorgängerin der jetzigen steht übrigens in Ardorf, Kreis Wittmund- holte man im Februar 1709 von den Künstlern R. Garrels aus Hamburg und Johann Meents (Ments) aus Bremen Entwürfe ein, die jedoch beide nicht die Zustimmung des Kirchenvorstandes fanden. Im September des Jahres war der Bildhauer Pfeiffer (Aurich) in Norden tätig, aber auch er wurde abschlägig beschieden, und Johann Meents erhielt dann doch den Zuschlag. Durch den frühen Tod des Meisters konnte dieser den Auftrag aber nicht mehr erfüllen.

 Auch ein Kontrakt mit Johan van Renen zum Kanzelneubau wurde nicht erfüllt, und so kam es letztlich am 31. Dezember 1711 zum „Contract“ mit dem „Meister Redeleff Garrels“ aus Hamburg. Er erhielt für die Lieferung der Materialien und einer guten Arbeit innerhalb von sieben Monaten eine Vorabzahlung von Eintausend Holländischen Gulden, "so nach dem alsdann gängigen Agio anzurechenen'. Die Abrechnungssumme betrug am 27. Dezember 1712 1539 Gulden, sie wurde in Hamburger Münze bezahlt.

 Durch die Vorauszahlung waren die Mittel des für den Neubau bestimmten Legats aufgezehrt, und so wurden auf Anordnung des Stadtsecretairs Lambertus Voß mehrere Kollektenbücher ausgestellt, um die Restsumme zur Verfügung zu haben, damit nicht durch neue Schulden die Last der Kirche erhöht würde. Die Bürger der Stadt wurden ermahnt, sich „freygibig zu erzeigen“. Bis zum Ende des Jahres 1712 wurden in der Stadt und den umliegenden Mar- schen 1247 Gulden, 5 Schaf und Witt gesammelt.

 Trotz Terminüberschreitung war man wohl mit dem Werk Garrels zufrieden, denn man überreichte ihm ein Geschenk von 70 Gulden, als er in der Weihnachtszeit 1712 in seiner Heimatstadt weilte. Die kurzfristige Erstellung der Kanzel läßt darauf schließen, daß Garrels zwar als Unternehmer auftrat aber als solcher Zulieferer gehabt haben wird.

Vergleiche mit den Werken des Groninger Holzbildhauers Jan de Rijk in Uithuizen, Uithuizermeeden und Midwolde in den Niederlanden zeigen viele Übereinstimmungen auf, so daß anzunehmen ist, daß dieser bekannte Groninger Künstler mit Garrels zusammen gearbeitet hat.

 Jan de Rijk wurde am 5. August 1661 in der “Gereformeerde Gemeente” in Enkhuizen getauft. Er wohnte später in Amsterdam und war dort Mitglied der Lucasgilde, in der die Bildschneider verenigt waren. 1693 wurde de Rijk für Arbeiten an der Orgel der Kirche vom Heiligen Geist Gasthaus in Groningen bezahlt. Arp Schnitger, in dessen Werkstatt Garrels arbeitete, hatte an dieser Orgel 1692 gearbeitet, so daß die Vermutung naheliegt, daß Garrels -hier schon die Bekanntschaft mit de Rijk machte. 1692/93 verzog de Rijk nach Groningen, wo er 1738 starb.

 Vielfältig sind die Arbeiten de Rijk's an Orgelprospekten, sogenannten “Herrenbanken” und Kanzeln in Kirchen sowie Feuerherdumrahmungen in vielen Herrensitzen im Groningerland. Eine grobe Mitarbeiterzahl dürfte ihm zur Seite gestanden haben, denn immer wieder sind kleine Unterschiede in der Ausführung zu beobachten. Er arbeitete mit dem Groninger Stadtbaumeister Allert Meijer zusammen, was auch sicherlich die Vielzahl der Aufträge begründete.

 Rudolph Garrels wird 1697 als Geselle Arp Schnitgers beim Bau der Orgel in der Aa-Kerk in Groningen erwähnt, vorher sehen wir ihn als Orgelbauersknecht bei Schnitger in Hamburg. In einer niederländischen Untersuchung wird er auch als “Bouwmeester” (Baumeister) bezeichnet. Daraus ist zu schließen, daß Garrels neben seiner Arbelt (eventuell als freier Mittarbeiter) bei Schnitger als Unternehmer tätig war, und so zum Belspiel Jan de Rijk mit Holzschnitzarbeiten betraut hat.

 Von 1709 bis 1711 wurde unter seiner Leitung die Schnitger-Orgel in der Martini-Kerk in Sneek (Provinz Friesland/Niederlande) gebaut. 1713 erneuerte Garrels die Orgel in der “Hervormde Kerk” te Eelde (Provinz Drenthe/Niederlande). Ab dieser Zeit wohnte Garrels in Groningen in der Gelckingestraat. 1719 verstarb Arp Schnitger, und Garrels verzog nach Leiden und später nach ’s Gravenhage (Den Haag). Ob und inwieweit der Tod seines Meisters diesen Umzug beeinflußt hat, ist nicht nachvollziehbar.

 Die Aufstellung einer Schnitger-Hausorgel im Hause des damaligen deutschen Gesandten Gebhardt in Den Haag veranlaßte diesen, sich für die Reparatur der Qrgel in der damaligen “Deutschen Gemeinde”, jetzt Lutherische Kirche, durch Garrels einzusetzen. So blieb Rudolph Garrels sicherlich in Den Haag hängen. Durch seine Verbindung mit dem Haager Organisten Anneus Veldcamp erhielt Garrels Aufträge und nahm groben Anteil und Einfluß auf den niederländisch/ holländischen Orgelbau. Er beherrschte sowohl die norddeutsche, mehr in die Breite gezogene -, als auch die schlankere niederländisch/ holländische Prospektgestaltung. Mehrere Garrels-Orgeln zeigen ebenso eine Mixtur aus beiden Stilrichtungen. Aufgrund seiner großen Kunst wurde Garrels in zeitgenössischen  niederländischen Untersuchungen des öfteren als “de duitse-hollander” im Orgelbau und daneben als “beeldhouwer van formaat” hervorgehoben.

 Viele der von Rudolph Garrels gebauten Orgeln sind im Laufe der Zeit zerstört oder zumindest in ihrer Substanz total verandert worden. Aber die herausragenden Werke haben überdauert und werden in den Niederlanden sorgsam gepflegt oder auf den ursprünglichen Stand zurückgebaut.

 Nach den Jahren seiner Arbeit in der Werkstatt Arp Schnitgers in Hamburg, bei Reparaturarbeiten an der Orgel der Aa-Kerk in Groningen (1697), in Norden (1706, angenommen) und in Sneek/Friesland übernahm Garrels 1713 eine Auftragsarbeit Schnitgers mit dem Neubau einer Orgel in Eelde (Provinz Drenthe). Diese Orgel wurde 1907 beim Neubau einer Orgel verkauft, ihren jetzigen Standort kennt man nicht. 1715 erfolgte die Reparatur der Norder Schnitger-Orgel, und im selben Jahr zusammen mit dem Danziger Radeker der Neubau einer Orgel in Zuidlaren (Provinz Drenthe). 1717/1719 kam es mit Radeker zur Erweiterung der Orgel in der lutherischen Kirche in Groningen. Während dieser Jahre hat Garrels sehr oft mit den Söhnen Arp Schnitgers zusammengearbeitet.

 In der “Hervormde Magnuskerk” in Anloo (Provinz Drenthe) steht wohl die älteste erhalten gebliebene Garrels-Orgel, eine Auftragsarbeit für Arp Schnitger oder Schnitger-Schüler. Hier war Radeker der “annehmer” und Garrels der Ausführende. Der Preis: 1450 Carolus-Gulden. (Carolus-Gulden in Gold und Silber mit dem Bild Kaiser Karls V.) waren als “Leitwährung” seinerzeit beliebt. Die Bezahlung erfolgte wahrscheinlich in deutschem Geld, da aus dem Archiv hervorgeht, daß eine Geld-“transactie” vorgenommen wurde. Die Orgel umfaßte 17 Stimmen (Register) auf zwei Manualen und ein angehängtes Pedal. Im Laufe der Zeit hat auch diese Orgel sehr viele Änderungen erfahren. Erst durch die gründliche Renovierung, an der unter anderem auch der Leeraner Orgelbauer Jürgen Ahrend (1991) beteiligt war, ist der ursprüngliche Zustand weitgehend wieder hergestellt worden.

 Garrels erstes Werk in Den Haag war die Orgel in der evangelisch-lutherischen Kirche im Jahre 1723/24, wobei es sich allerdings um eine Erweiterung der vorhandenen Orgel handelte. In dem überlieferten Zeugnis über diesen Orgelbau heibt es  “…welke verklaren dat al  hetgeene hij tot nog toe aan ons Orgel gemaakt heeft, soodanigh wel, en goet gemaakt is, dat het van geen een meester orgelmaker beeter kan gemaakt worden...”

Unmittelbar anschließend wurde Garrels mit dem Bau einer neuen Orgel in der Oud- Katholieke Kerk (Alte katholische Kirche) in Den Haag betraut. 1726 wurde sie geweiht, und Garrels erhielt für die weiteren Unterhaltungsarbeiten 20 Gulden jährlich. Dieses Instrument hatte “twe Hand-claviren en een aangehangen pedaal” mit insgesamt 17 Stimmen. 1908 war die Orgel in einem sehr schlechten Zustand, und die Gemeinde beschloß die Anschaffung eines neuen Instruments. In der Hervormde Kerk in Vollenhove (Provinz Overijssel) und in der Protestantenbond afdeling Zeist (Provinz Utrecht) befinden sich Reste der Garrels-Orgel. Um alle in den drei Orgeln verstreute Garrels-Orgel-Teile wieder zu vereinigen, ist eine ”stichting reconstructie Garrels-Orgel in de Oud-Katholieke Kerk te 's Gravenhage" gegründet. Noch in diesem Jahr sollen alle Teile wieder zu einer Orgel vereint werden. Im selben Jahr 1726 vollendete Garrels eine Orgel in der oben vermerkten kleinen reformierten Kirche Vollenhove.

 1725 stellte Garrels eine Orgel in der Reformierten Kirche in Maasland (Provinz Zuid-Holland) mit 18 Registern auf zwei Manualen und einem Pedalwerk fertig. Aus dem Werkvertrag geht hervor, daß die ”gedeckte Pypen van loot en de andere van spys 100 pont loot geformeert met dertig pont tin…” gefertigt sein sollten. Es wurde also vom Kirchenvorstand bindend vorgeschrieben, welche Legierung zu verwenden sei. Der Vertrag sieht den genauen Liefertermin und die Bezahlung von 2300 Gulden vor. Ein Jahr der Unterhaltung der Orgel wurde ebenso vertraglich vereinbart. Die Kirchengemeinde kam auf für den Blasebalg, die Galerie und den Unterbau; ebenso sorgte sie für den Schiffstransport. Garrels arbeitete derzeit in Leiden. Diese Orgel wurde 1945 durch einen Brand zerstört.

 Der reiche Reeder und ”penningmeester van het visserijcollege” Govert van Wijn, Maassluis (Provinz Zuid-Holland) wurde durch den Orgelbau in Maasland sicherlich angeregt für die Nederlandse Hervormde Kerk eine Garrels-Orgel zu stiften. Er stellte jedoch die Bedingung an den Kirchenrat, die bisherige jährliche Abwahl eines ”kerkmeesters” in eine zweijährige Periode zu ändern. Das grobzügige Geschenk ließ den Kirchenvorstand nach seinen Wünschen beschließen. Der Junggeselle hat den Orgelbau wahrscheinlich als seine eigene Sache betrachtet,  denn im Kirchenarchiv Maassluis ist über den Orgelbau so gut wie nichts zu finden.

 Am 18. Oktober 1729 erteilte van Wijn “de Haagse Orgelbouwer Rudolf Garrels” den Auftrag zum Bau der Orgel. Die Fertigstellung wurde am 4. Dezember 1732 (20 Jahre nach Vollendung der Norder Kanzel) gefeiert. Der Text der Einweihungspredigt ergibt sich aus Psalm 150, Vers 3 und 6. Dem Organisten hatte der Schenkende eine genaue Anweisung gegeben, wie das Instrument zu pflegen sei und wann und zu welcher Gelegenheit die Orgel zu spielen sei. Die Entlohnung des Organisten sollte von den Zinsen eines bei der Bank von England festgelegten Betrages (“uit de rente”) erfolgen.

 Bei der Einweihung der Orgel gab es ein extra erstelles Gesangbuch, in dem es unter anderem heißt:  

 

“U naem zal nimmer lof ontbreken
O Garrels, die zo zoet als schel
De pijpen van dit Orgelspel
Met zoveel kunst hebt leren spreken”.

(Eurem Namen soll es nie an Lob mangeln
O Garrels, der so lieblich und scharf (klingend)
Die Pfeifen dieses Orgelspiels 
mit soviel Kunst habt sprechen gelehrt.)  

 

Über der Spieltafel steht das Gedicht:

”Dekt met laauw'ren 't grijzehaar 
Van mijn Orgel kunstenaar

Rudolph Garrels waard' geprezen

Die dit spel gaf ziel en wezen”.

1732 / HKSchim

Schim war ein Neffe von van Wijn. Eine größere Lobpreisung eines Künstlers über die Jahrhunderte hinweg ist fast nicht denkbar.  

 

 

Bel einem Bombardement am 18. März 1943 wurde die Orgel selbst nicht beschädigt, wohl aber das Kirchengebäude. Durch die Einwirkung von Wind und Wetter hat die Orgel dann sehr gelitten; nach Wiederherstellung der Kirche 1947 konnte sie  beschränkt wieder gespielt werden. Anläßlich einer großen Kirchenrestaurierung wurde die Orgel auf den ursprünglichen Zustand nach dem Besteck von Garrels gebracht.

            1733 finden wir Rudolph Garrels als Orgelbauer in Leiden (Provinz Zuid-Holland). Hier arbeitete er die kleine Chororgel der Pieterskerk (Pieter Jansson de Swart 1560) in eine größere in der Marekerk ein, da ”het Orgel tegenwoordig voor een Kerk vol Menschen te zwak van geluid is…” Die Orgel umfaßte nach dem Umbeziehungsweise Neubau zwei Manuale mit 22 Registern und einem Pedal mit drei Registern. Die Kosten beliefen sich auf 1500 Gulden für den Orgelbauer, dazu kamen die Kosten für Arbeiten der Holzschnitzer und für Materiallieferungen. Aus dem Vertrag geht hervor: ”…zoolang ik hier te Leijden aan dit orgel werk, een blaasbalgtrapper buiten mijne kosten, alsmede vrij vuur, licht en   orgelmakerskamer”. Der Vertrag für diesen Auftrag ist fast vollständig erhalten geblieben und gibt Aufschluß über viele Kleinigkeiten, die bei einem derartigen Um- oder Neubau einer Orgel anfielen. Er datiert vom 26. Oktober 1733.

Beide Orgeln, in Maassluis und in Leiden, zeigen die typische niederländisch/ holländische Bauform. Kurz nach der Fertigstellung der Leidener Orgel erhielt Garrels den Auftrag, eine Reparatur der Orgel in der " St. Janskerk" in Schiedam (bei Rotterdam) durchzuführen. 1498 wird für diese Kirche bereits eine Orgel erwähnt, die jedoch im Laufe der Zeit mehreren Umbauten unterworfen wurde. Bei der ”grote reparatie” kann es sich durchaus auch um einen Neubau handeln, da dieser Begriff in den Niederlanden einen Neubau unter Verwendung alter Teile einbezieht. 1915/1916 ”…werd een nieuw, modern Instrument geplaatst achter het 16e- en 17e eeuwse orgelfront. Het is ongeloofelijk, maar waar!” (“…wird ein modernes Instrument hinter der Orgelfront aus dem 16./17. Jahrhundert eingebaut. Unglaublich aber wahr!")

In Purmerend erbaute Garrels 1737/42 eine Orgel mit 39 Stimmen auf drei Manualen und einem Pedalwerk. Die Orgel zeigt sowohl niederländische/ holländische Merkmale als auch solche aus der Schnitger-Schule. Auch hier hat Garrels sehr bedeutende Teile der Vorgängerorgel wiederverwendet. Diese Orgel ist gröbtenteils erhalten. Fast zeitgleich vollendete Garrels in der Utrechter Jacobikerk einen Umbau der Orgel mit einem neuen Oberwerk und einem Pedal.

1749, also kurz vor seinem Tode erstellte Garrels die Orgel in der Nederlandse Hervormde Kerk in Klundert (Provinz Nordbrabant). Diese Orgel hatte neun Register bei einem Manual und einem Pedalwerk. Am 8. April 1750 wurde die Orgel geweiht. Es muß ein gebührendes Fest für die Gemeinde gewesen ein, denn ”1½ Aam Wijn” kommen in der Abrechnung vor, und das sind immerhin 225 Liter. Am 4. November 1944 wurden Kirche und Orgel Opfer von Kriegshandlungen.

Im 18. Jahrhundert zog es viele deutsche Orgelbauer in die Niederlande. Eine Erklärung hierfür kann nur sein, daß im damaligen Deutschland die Orgelbauer sehr straff organisiert waren und die Arbeit somit gewissen Einschränkungen unterlag. In den Niederlanden dagegen war die freie Arbeit der Orgelbauer möglich, was somit zu einer großen Leistungssteigerung der Künstler führte. So haben mehrere Gesellenkollegen Garrels    aus Schnitgers Werkstatt zwar Auftragsarbeiten erledigt, aber selbständige Arbeiten so gut wie nie erledigt.

Wenn auch in Deutschland fast vergessen, wird Rudolph Garrels früher und auch jetzt noch ob seiner Arbeit  gewürdigt und gelobt. “Garrels was sonder Twijfel de belangrijkste Orgelmaker die sich in Den Haag gevestigt heeft.”, oder in Maassluis:  ”…een specimen van de grote Nederlandse orgelcultuur van Noordduitse herkomst uit het begin van de 18e eeuw. Het (die Orgel) kan op één lijn worden gesteld met de beroemde Orgels in Amsterdam, Haarlem, Alkmaar, Zwolle en Groningen”.

Seine finanzielle Sicherheit und die Verbundenheit mit seiner Familie in der ost- friesischen Heimat läßt sich aus dem Legat für die Kinder seiner Schwester ablesen. Eigene Kinder scheinen ihm versagt geblieben zu sein. Aber seine “Orgel-Kinder” legen immer noch Zeugnis seiner groben Kunstfertigkeit ab. 


Mit Dank an Angelika und Reinhard Ruge, Norden; Dr. Luise Hasbargen, Norden; Martin Panman, Anloo (NL); Frau H. Hoeve-Kuipers, Paterswolde (NL); A. C. Langedijk, Den Haag (NL); J. Knook, Klundert (NL); Dr. J. W. Sprossen, 's Gravenhage (NL).
Quellen: Kahnt + Knoor: Alte Maße, Münzen u. Gewichte, Ostfr. Landschaft; G. Hellwig: Lexikon der Maße u. Gewichte; Groninger Museum: Allert Meijer, Jan de Rijk; Franz Talstra: Langs Nederlands Orgels, Groningen,  Friesland, Drenthe; Jan Jongepier: Langs Nederlands Orgels, Noord Holland, Zuid Holland, Utrecht; Stichting: Muziek in Anloo, Annen; Gemeente Schiedam; Kerkvoogdij der Gemeente Sneek; Archief der Gemeente Maassluis; Gemeentearchief Den Haag.


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Versie 9 mei 2005